[16] Von Zimtsternen, Terroristen und Belegschaftsfeiern

"Ich habe es vergessen!! Verdammt Tanja!! Ich. Habe. Es. Vergessen."
Leicht hysterisch schreie ich den Telefonhörer an, während ich mit der anderen Hand die Küche aufräume. Gott sei Dank bin ich eine Frau. Es ist Weihnachten und ich habe mal wieder versucht Plätzchen zu backen. Das Einzige, was diese Backaktion bewirkt hat ist, dass ich nachher den Müll runterbringen muss.

"Marleen jetzt beruhige dich! Das lässt sich doch alles regeln!"
"WAS?! Es lässt sich eben NICHT regeln! Ich kann einpacken, ich werde alles verlieren, ich werde als Obdachloser auf der Straße enden und irgendwann, irgendwann wird mir dann sicherlich noch mein Karton geklaut!"
Ich lasse das Mehl fallen. "Scheiße!", brülle ich. Ja, ich meine nicht schreien, ich meine Brüllen. Löwenmännchen würden mich momentan wahrscheinlich unglaublich attraktiv finden.

Besagte Mehltüte löst eine Kettenreaktion aus und auch Backblech, Rührgerät und die verbrannten Zimtsterne stürzen dem Erdboden entgegen. Der Sound ähnelt einer Bombadierung.
"Marleen? Marleen?! MARLEEN?! Was um Himels Willen ist da los?? Ist alles in Ordnung?! Muss ich den Krankenwagen holen?! Hallo?! HALLO!!!"
"Beruhig dich! Alles ist... äh in Mehl. Äh, ich meine Butter!"
"Mehl? Butter?" Oh Gott. Ich höre es an ihrem Tonfall. Sie hat mich durchschaut.
"Marleen... hast du schon wieder versucht zu backen?"
"Ja.. äh nein... das heißt... es hat... es hat geklappt... eigentlich."
Ich kann in meinem Kopf sehen, wie sie mit den Augen rollt. 
"Was war es dieses mal?" Ich zögere. "Zimtsterne."

"Zimtsterne? Von allen Rezepten nimmst du Zimtsterne? Das ist die größte Schmiererei des Jahrhunderts!" Das sehe ich. "Weißt du, ich würde dir empfehlen mal etwas leichtes zu backen. Butterplätzchen zum Beispiel. Das klappt dann bestimmt auch mal!"
Danke. "Butterplätzchen backt man mit Kindern."
"Tja mein Schatz, das solltest du üben. Du bist ja schließlich schwanger!"
Stimmt. Wie konnte ich das nur vergessen.
"Hrmpf."
"Wie war das?"
"Hrmpf."
"Bist du keine glückliche Mutter?"
"Nein... Ich bin keine Mutter, weil ich noch schwanger bin. Ich bin erst eine Mutter, wenn der Hosenscheißer da ist! Eigentlich sehe ich auch nicht schwanger aus. Es sieht aus, als hätte ich zu viel Sahnetorte gegessen, das ist alles."

"Marleen! Unsere Mutterrolle hat ab dem Zeitpunkt angefangen, in dem wir beschlossen haben, dass wir ein Baby wollen."
"Stell dir vor, diesen Moment gab es nicht."
"Ach ja stimmt. Du hast ja eins von den den Zufallsbabys..."
"Es ist kein Zufallsbaby! Naja.. irgendwie schon.. Aber es es ist ein richtiger Terrorist!!! Das ist eine Belagerung meiner Gebärmutter!! Ständig ist mir übel, ich rieche alles in verstärkter Form... das gefällt mir nicht! Mir gehts echt dreckig!" Genau wie der Küche.
"Eine Belagerung deiner Gebärmutter?!"
"Ja genau. Und jetzt entschuldige mich, ich muss die Küche aufräumen und dann noch mein Leben retten!"
"Marleen!!! Es ist nur ein Wichtelgeschenk!"

"Es ist nicht nur ein Wichtelgeschenk!! Ich musste meiner Chefin wichteln! Und ich habe die falsche Badeessenz gekauft! Sie ist allergisch auf Nüsse! Sie wird aufquillen wie ein Schwamm!"
"Aber doch nur, wenn sie sie isst!"
"Also bei allergie.com steht, dass das auch über die Haut gehen kann!"
"Kann. Betonung auf kann!"
"Spiel die Situation nicht so herunter! Ich kann nicht mehr!"
Ich lege auf und will das Handy in den Wertsachenkorb auf der Theke werfen, meine es zu gut und das Handy landet im übrigen Teig.
"Na klasse", stöhne ich und lasse mich auf den Küchenboden sinken. Langsam lasse ich den Blick über die Küche schweifen und denke mir: Eigentlich sieht es aus wie Schnee."



"Frau Ludwig, das ist ja unglaublich! Welch ein schönes Geschenk! Und so orginell."
Ich nicke zufrieden. Auf merkwürdige, absonderliche Art und Weise ist das Wichtelgeschenk für Frau Holzhut aus dem Wichtelsack verschwunden. (Ich werde mein Geschenk NIE wieder in rotes Papier einwickeln (wer hätte gedacht, wo es doch so viele verschiedene Rottöne gibt, dass alle ihr Geschenk in diesem einen Rot einpacken (im Endeffekt habe ich das genommen, was am Meisten nach Nuss gerochen hat))). Natürlich habe ich nichts mit der Sache zu tun.

Leidvoll berichtete ich bei der Bescherung, dass ich es doch schon am Montag in den Sack getan hatte (stimmt), es voller Mühe eingepackt hatte (stimmt) und jetzt total traurig wäre, weil ich nicht weiß wohin es verschwunden ist (stimmt nicht.) Frau Holzhut betrachtet meine Tüte.
"Also wirklich. Ich liebe Butterkekse."
"Das freut mich zu hören!" Immerhin habe ich drei Anläufe gebraucht. Ziemlich traurig eigentlich, nicht mal Butterkekse kann ich backen... "Ist auch vollkommen ohne Nüsse", sage ich freundlich.
"Nüsse?"
"Ja. Sie sagten doch, Sie sind allergisch auf Nüsse..."
Frau Holzhut lacht (sie klingt wie ein betrunkenes Meerschweinchen). "Ich? Nein! Ich sagte, ich bin allergisch darauf, wenn Nüsse in Schokolade sind."
"Ja... Nüsse.."
"Nein, weil ich es hasse, wenn ich mir die Zähne an diesen ganzen Nüssen kaputt mache." Sie strahlt mich an. Ich strahle zurück.
"Achso... na dann!" Diese.... ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh. Innerlich schreie ich. Ziemlich laut. Würde ich wirklich schreien, müsste ich danach bestimmt Schmerzensgeld zahlen.

"Warum, hatten Sie etwas anderes im Sinn?"
"Ja... ich ähm wollte.. ich hatte Zimtsterne geplant."
"Zimtsterne? Von allen Rezepten wollten Sie Zimtsterne machen? Das ist die größte Schmiererei des Jahrhunderts!"
Das habe ich bemerkt. "Ja, aber ich habe dann einfach schon mal geübt für später."
Mein Team starrt mich an. "Üben?", fragt Claudia. "Wofür denn üben?"
"Ja, wenn das Ba...." Scheiße.
"Das was?". Frau Holzhut röchelt.
Acht Augenpaare starren mich an. Los doch Marleen... denk dir was aus. Ba... was kann man aus Ba machen? Bad, Bach, Ballon...?! Verdammt.

"Marleen.. bist du etwa schwanger?"
Scheiße. Erwischt. Ich wollte noch eine Rede vorbereiten.
Stille. "Wie...wieso haben Sie denn nichts gesagt?", quiekt Frau Holzhut. 
"Nun ja... ich wollte, ich wollte eben noch ein bisschen warten..."
Eine wahnsinnig glorreiche Antwort.
"Das ist ja eine schöne Bescherung", Fabio wirkt erfreut. Er schwingt sein kleines Handtäschchen und lächelt mich an. Ich werde es jetzt nicht schreiben, nur so viel: Fabio trägt waaaaahnsinig gern pink. Ich denke der Fall ist klar.
"Oh yes, wier köönen das sweete Baby dann zu einer richtigen Misses machen!" Auch Janine, unsere allerliebste Ex-Londonerin strahlt mich an.
"Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass das auf so gute Resonanz stößt", gebe ich ehrlich zu. "Und ich weiß nicht, ob es ein Mädchen wird."
Dem Blick nach zu urteilen habe ich gerade Janines Welt zerstört.
"Das ist eindeutig das beste Wichtelgeschenk dieses Jahr!" Meine Chefin quiekt schon wieder. Ich starre Frau Holzhut an. "Und die Kekse?"

"Ja, die sind auch ziemlich toll." 

Die Belegschaft verfällt in einen Lachkrampf. Peter öffnet gekonnt eine Flasche Sekt, Frau Holzhut füllt meine Plätzchen in eine Schale und alle fangen an, wie wild über mein Baby zu reden. Claire wettet um zwanzig Euro, dass es ein Junge wird und Janine bricht fast in Tränen aus und wettet geschlagene siebzig Euro dagegen. Fabio tanzt durch den Raum und freut sich wirklich sehr und auch der Rest vom Fest strahlt übers ganze Gesicht. Ich lächle. Ich hab sie ja wirklich lieb meine Bande... 

Während nun die ganze Belegschaft meine Schwangerschaft feiert und anstößt (sie sind so gemein!), schaue ich verträumt aus dem Fenster. Draußen hat es angefangen leicht zu schneien und die Lichterkette, die am Fenster hängt blinkt bunt. Ich streichle meinen Bauch und fühle mich zum ersten Mal wirklich glücklich. Ich freue mich darauf, wenn das Baby endlich da ist. Ausnahmsweise vergesse ich, was ich alles noch nicht  vorbereitet habe und genieße den Augenblick. Die fröhliche Stimmung und den Geruch von Plätzchen. Ich lächle in mich hinein und flüstere leise zu meinem Kügelchen: "Frohe Weihnachten."




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So Kinder das wars! :D Ein orginaler Ausschnitt aus meinem... Buch :D
Also ich versuche eins zu schreiben... Ich weiß noch nicht, ob es etwas wird, aber wir werden sehen! :D Kurz gesagt: Marleen wird ungewollt schwanger und wie es der Zufall will, ist ihre beste Freundin Tanja auch schwanger. Der einzige Unterschied: Tanja kommt super klar und ist perfekt organisiert... Marleen eben nicht :D Für alle die es nicht wissen, Marleen ist mein Zweitname (aber das ist keine Biografie!). Da ich wirklich schlecht im Namen ausdenken bin und gelesen habe, dass man als Autor ja auch immer ein Stück von sich selbst in das Buch packt... dachte ich, ich nehme es mal wörtlich :D

Also ich hoffe es hat euch gefallen! ;)
Viele liebe weihnachtliche Grüße

Lara

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