[9] Enya's Geschichte



Es war ein kalter Dezembertag, die Temperaturen stiegen schon seit Wochen nicht mehr über den Nullpunkt, doch Schnee lag keiner. Stattdessen war die Welt in ein tristes Grau getaucht worden und die Bäume hatten schon lang alle Blätter verloren. Nur ihre dunklen Äste reckten sich noch in den wolkenverhangenen Winterhimmel. Ein paar Krähen saßen im Geäst und stießen hungrige Schreie aus, doch die meisten anderen Vögel waren schon lang gen Süden geflogen.

Kaya hatte sich die Mütze tief ins Gesicht und den Schal bis über die Nase gezogen, sodass nur ihre Augen zwischen dem Stoff hervorlugten. Ihre Hände hatte sie in den Jackentaschen vergraben unter ihrem rechten Arm klemmte ein kleines, in helles Glitzerpapier eingepacktes Päckchen.

Das Mädchen trat in eine Pfütze und das kalte Wasser schwappte in ihren Schuh. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und sie begann zu zittern. Fast wäre ihr ein leiser Fluch über die Lippen gekommen, doch sie verbiss ihn sich. Immerhin war Weihnachtszeit, da fluchte sie nicht. Stattdessen zog sie die Finger aus den Jackentaschen, nahm das kleine Päckchen in die Hände und begann zu rennen. Der Schal rutschte ihr vom Gesicht und die Kälte kroch durch den Kragen in ihre Kleidung, doch sie ignorierte es. Sie wollte nur noch nach Hause, raus aus der Kälte. In die Wärme.

Die Straßen waren geschmückt, helle Lichterketten hingen in den Bäumen und in jedem Vorgarten zierten weitere bunte Lichterketten die kahlen Büsche. Kaya mochte die Lichter zwar, doch die Kälte war ihr zuwider, ebenso wie die Dunkelheit, obwohl es erst später Nachmittag war.

Sie lief die weihnachtlich geschmückten Straßen entlang und blieb dann vor einem Mehrfamilienhaus stehen. Auch hier im Vorgarten waren alle Büsche und Bäume mit Lichterketten geschmückt worden. Kaya sprang schnell die kleine Steintreppe vor dem Haus hoch, kramte mit ihren vor Kälte steifen Fingern in der Hosentasche und zog den Hausschlüssel hervor. Als sie im Hausflur stand, nahm sie die Mütze ab und rannte dann die Treppe hoch.

Im Hausflur kam ihr die Nachbarin von gegenüber entgegen, der sie ein freundliches „Frohe Weihnachten!“ zurief, dann stand sie auch schon im dritten Stock vor einer Tür. Ein aus Holz geschnitzter Weihnachtsmann hing davor und ein Stern aus glitzerndem Papier, den Kayas Schwester Zoey letztes Jahr in der Schule gebastelt hatte.

Sie schloss die Wohnungstür auf und schlüpfte schnell hinein. Das Päckchen warf sie unachtsam auf das Sideboard im Flur, wickelte ihren Schal von ihrem Hals und schmiss die Mütze zu dem Päckchen.

„Hallo!“, rief sie in die Wohnung. „Ich bin zu Hause!“ Sie bekam keine Antwort. „Mum?“, rief sie und schlüpfte aus ihrem Mantel. Sie hängte den Mantel an die Garderobe und ging in die Küche. Ihre Mutter schien nicht da zu sein, auf dem Herd stand ein Topf. Kaya hob den Deckel an. Nudelsuppe, doch sie war schon kalt. Hatte ihre Mutter die für Zoey zu Mittag gemacht? Wie lange war Zoey jetzt wohl allein, oder hatte ihre Mutter sie mitgenommen? „Zoey?“ Noch immer keine Antwort. Sie konnte unmöglich allein sein. Zoey war krank, sie hatte Fieber und sollte zu Hause bleiben. Aber wo steckte sie nur?

Kaya griff das Päckchen vom Sideboard und schlich in ihr Zimmer. Dort drehte sie die Heizung auf und versteckte das kleine Päckchen in ihrem Kleiderschrank, hinter den Pullis, dort, wo sie selbst nie hin griff, damit ihre Schwester es nicht finden konnte. Danach machte sie sich auf die Suche nach der selbigen. „Zoey?“ Sie klopfte an die Zimmertür ihrer Schwester, doch von drinnen kam keine Antwort. Schlief Zoey?

Kaya zögerte, bevor sie eintrat. Ihre Schwester lag im Bett, die Decke bis an die Nase gezogen, doch das Gesicht von ihr abgewandt. Ihre hellen Haare fielen auf das Bett und sie hatte sich an ihren Teddy gekuschelt. Als Kaya sich über sie beugte und ihr über das Haar strich, wachte Zoey auf. „Kaya?“, fragte das kleine Mädchen. „Wo warst du?“, fragte sie, als sie ihre Schwester erkannte.

„Auf dem Weihnachtsmarkt“, sagte Kaya. Ihre Finger gewöhnten sich langsam an die Temperaturen hier im Haus und sie rieb noch einmal ihre Hände aneinander. „Ist es sehr kalt draußen?“, fragte Zoey und nahm die Hände ihrer Schwester. Sie hustete. „Deine Hände sind ganz kalt!“

„Es ist etwas eisig draußen“, meinte Kaya. „Nicht besonders angenehm.“ Zoey hustete wieder und schnäuzte sich dann die Nase. „Hast du noch Fieber?“, fragte Kaya und legte ihre Hand auf Zoeys Stirn. Zoey nickte. „Ein bisschen vielleicht.“

„Ich mach dir einen Tee“, sagte Kaya und verschwand aus dem Zimmer ihrer jüngeren Schwester. In der Küche kochte sie Tee für sie beide und ging wieder zu ihrer Schwester. Sie reichte ihr den Tee und Zoey setzte sich auf. „Was hast du auf dem Weihnachtsmarkt gemacht?“, fragte Zoey Kaya. „Ich hab dein Weihnachtsgeschenk besorgt“, sagte Kaya und nahm einen Schluck Tee. „Was ist es?“, wollte ihre kleine Schwester wissen. Kaya lachte. „Das wirst du schon bald genug erfahren.“

Zoey stellten den Tee auf ihrem Nachttisch ab und kroch auf Kaya zu. „Oh, bitte, Kaya, sag es mir!“, bat sie und schlang die Arme um ihre Schwester. „Bitte, bitte, bitte!“ Kaya lachte erneut. „Wenn ich es dir sagen würde, wäre es ja keine Überraschung mehr“, meinte sie und schob die Arme ihrer Schwester von sich, die sich um ihre Schultern geschlungen hatten. „Jetzt schlaf dich gesund“, sagte Kaya und griff ihre Teetasse. „Damit du bald wieder in die Schule kannst.“

Zoey zog eine Grimasse und streckte Kaya die Zunge raus. Kaya tat, als wäre sie empört. „So kommt der Weihnachtsmann aber nicht zu dir!“, behauptete sie und stemmte die Hände in die Hüften. „Dann sage ich dem Weihnachtsmann, dass du mich geärgert hast, und dann bekomme ich all deine Geschenke!“

Zoey grinste und piekte Kaya in die Hüfte. „Gar nicht wahr“, sagte sie und kuschelte sich wieder unter die Decke. Kaya deckte sie zu. „Schlaf“, sagte sie wieder und küsste ihre Schwester auf die Stirn. Dann griff sie in die Tasche ihres Pullis und tat ganz erstaunt, als sie eine kleine Tüte daraus hervorzog. „Oh, schau mal, was irgendwie in meine Tasche gewandert sein muss!“, sagte sie und hielt Zoey die Tüte hin. „Was ist das?“, fragte Zoey und nahm die Tüte entgegen, die Kaya ihr hingehalten hatte. Sie öffnete sie und sah hinein. Zoeys Augen begannen zu strahlen. „Du hast mir gebrannte Mandeln mitgebracht?“, fragte sie ihre ältere Schwester. Kaya nickte.

„Vielleicht helfen sie dir ja, noch schneller gesund zu werden“, meinte sie. Sie drückte Zoey, die bereits ein paar Mandeln aus der Tüte geholt und sich in den Mund gestopft hatte, wieder zurück ins Bett. „Jetzt tu mir einen Gefallen und schlaf!“, sagte Kaya mit Nachdruck. „Sonst wirst du das Weihnachtsfest im Bett verbringen müssen.“

Zoey nickte, den Mund bereits voller gebrannter Mandeln und hielt ihrer Schwester dann die Tüte hin. Kaya griff hinein und steckte sich ebenfalls ein paar der Süßigkeiten in den Mund. „Gute Nacht“, sagte sie dann zu ihrer Schwester.

Sie nahm ihren Tee, schaltete das Licht aus und wollte gerade verschwinden, als sie Zoey ihren Namen flüstern hörte. „Kaya!“ Kaya drehte sich um und sah, wie ihre Schwester schelmisch unter der Decke hervorlugte und sie angrinste. „Was?“, flüsterte Kaya zurück. Zoeys Lippen verzogen sich zu einem noch breiteren Grinsen. „Ich hab dich lieb!“, flüsterte sie. Kaya begann nun, ebenfalls zu Lächeln. „Ich dich auch, kleine Schwester.“

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So hier kommt Enya's Geschichte :)
Enya ist eine Freundin von mir und ist finde ich ziemlich schreibbegabt. Deswegen habe ich sie kurzerhand ... nun ja... gezwungen hier mitzumachen xD Diese Geschichte hat von Enya ziemlich viel abverlangt :D Sie musste kurz sein und es durfte niemand sterben :D Jetzt zu den super aktuellen und brisanten News zu Enya: Bald kommt ihr erstes eigenes Buch raus!
Lightning Pioneer heißt es. Ich habe euch hier mal die facebookseite zum Buch rausgesucht, damit ihr es euch mal genauer anschauen könnt:) -->
Ich hoffe euch hat die Geschichte genausogut gefallen wie mir und ihr besucht die liebe Enya mal! Wir sehen uns morgen wieder:)
Bis bald!

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