[22] Versüßter Winterpunsch


Weihnachtszeit war die schönste Jahreszeit überhaupt. Die Weihnachtsmärkte rochen nach Lebkuchen, Glühwein, Weihrauch und Mandelgebäck. Die Vorfreude auf den Heiligen Abend war hierbei bei Groß und Klein immer ein Fest der Liebe und Geborgenheit. 

Für die siebzehnjährige Kathi war diese Zeit jedoch an diesem Jahr alles andere, als schön. Am 01.12. hatte ihr Freund aus heiterem Himmel einfach mit ihr Schluss gemacht. Kathi war am Boden zerstört, als er ihr den Grund dafür offenbarte. 
„Ich liebe dich nicht mehr; ich habe mich neu verliebt!“ Kaum hatte Leo ihr diese Neuigkeit unter die Nase gehalten, war sie auch schon am Boden angekommen. Verletzt, ungläubig und enttäuscht hatte sie ihn angesehen, war zu keinem Wort fähig gewesen.
Nur ihre Körpersprache zeigte deutlich, wie sehr sie die Nachricht der Trennung auffraß. Anstatt in Wut zu verfallen war das junge Mädchen tief verletzt in den nächsten Schulunterricht gegangen. Nur ihre beste Freundin Janina hatte sie auffangen können, bevor sie mental zu Boden krachte.

Die nächsten Tage waren für Kathi der reinste Albtraum gewesen. Drei Tage und Nächte hatte sie geweint, sich in ihrem Zimmer verkrochen. Sie war nicht zur Schule gegangen, hatte sich krank gemeldet. Selbst ihre Mutter hatte sie nicht aus ihrem verbarrikadierten Zimmer herauslocken können. Doch jetzt, am 06.12., genau an Nikolaus, hatte Janina es geschafft, ihre beste Freundin zumindest zu einem Bummel auf dem Weihnachtsmarkt überreden können. Die beiden jungen Mädchen, die etwa gleich groß und gleich alt waren, schlenderten an diesem späten Nachmittag über den belebten Markt. Es hatte über Nacht ordentlich geschneit, so dass nun eine dicke Schneeschicht auf den Gehwegen lag. „Kathi, jetzt schau doch nicht so, wie sieben Tage Regenwetter.“, versuchte Janina sie aufzumuntern, doch Kathi brummte nur etwas Unverständliches in ihren nicht vorhandenen Bart und schob missmutig den weißen Schnee vor den Füßen her.n „Du weißt ja gar nicht, wie schlimm das ist, wenn ich Lukas jeden Tag in der Schule über den Weg laufen muss und ich dann auch noch sehe, wie er mit dieser dummen Bianca rummacht.“, beklagte sich, die durchaus hübsche Brünette, bei Janina. In Wehmut seufzte sie auf und trauerte ihrer gebrochenen Beziehung hinterher.  

Die herrlich geschmückten und verzierten Buden, die nach frischen Mandeln, Weihrauch, Glühwein und frischen Windbeuteln mit Zucker rochen, schien sie nur wenig aufzumuntern. Janina blickte sie seufzend von der Seite her an. Sie verstand ja, dass es Kathi nach der Trennung nicht gerade gut ging, doch allmählich fand sie, dass es an der Zeit war, nach vorne zu schauen. Immerhin stand demnächst Weihnachten vor der Tür, ein Fest, das Freude und Besinnlichkeit in der Familie, bei Freunden und der Verwandtschaft hervorrufen sollte. „Komm, lass und mal schauen, ob wir irgendwo etwas Warmes zu Trinken herbekommen. Mir frieren wirklich schon die Finger ab.“ Damit zog Janina sie am Ärmel weiter über den Weihnachtsmarkt. „Lass doch gut sein. Mir ist eh nicht nach…“, versuchte Kathi sie aufzuhalten, doch stieß sie auf taube Ohren. Grummelnd gab sie sich ihrem Schicksal hin. Keine fünf Minuten später standen die beiden Freundinnen an einem Stand, an dem es Glühwein zu kaufen gab. „Zwei Becher bitte!“, bestellte Janina. Gerne. Mit oder ohne Schuss?“, fragte die nette Verkäuferin und nahm zwei Becher zur Hand.  

Janina warf einen kurzen Blick zu Kathi hinüber, die sich etwas abgewandt hatte, um das Treiben der Menschenmasse lustlos zu verfolgen, ehe sie sich wieder an die Verkäuferin wandte. „Wir nehmen sie beide mit Schuss!“ „Das habe ich gehört.“ Trotz ihrer miesen und trüben Laune klang Kathis Stimme ein wenig belustigt. „Solltest du auch. Außerdem tut dir ein kleiner Schuss vielleicht mal ganz gut. Deine Stimmung ist wirklich grottig schlecht.“, lachte Janina. Kathie verdrehte die Augen und wollte gerade nach dem dampfenden Becher mit dem Winterpunsch, den Janina ihr vor die Nase hielt, greifen, als sie von rechts her einen Schups erhielt und einige Zentimeter zur Seite ruckte. „Mensch, kannst du denn nicht…“, fauchte das junge Mädchen los und drehte sich zu ihrem Übeltäter, der sie da angerempelt hatte, herum. Zum Glück war der Winterpunsch nicht aus den Bechern, die Janina beide immer noch in der Hand hielt, übergeschwappt. Als Kathi jedoch den Blick zum Gesicht des Übeltäters hob, stockte ihr kurzzeitig der Atem. 

Ihr blickten bernsteinfarbene Augen freundlich entgegen, gefolgt von einem süßen und wärmenden Lächeln, das sinnliche und volle Lippen zierten. Janina, die sich nun ebenfalls umgedreht und den Mann neben Kathi musterte, verkniff sich ein Lächeln. „Ähm, sorry. Ich wollte nicht… also…“, begann die junge Brünette zu stottern und Kathie kam sich total lächerlich vor, wie sie versuchte, sich bei dem gutaussehenden jungen Mann zu entschuldigen. Dieser schien es jedoch mit Humor zu nehmen, denn er lächelte noch etwas breiter. „Ist ja nichts passiert. Alles gut gegangen. Aber in deiner Tasse dürfte jetzt wohl nur noch etwa die Hälfte des Punsches drin sein, oder?“, fragte der junge Mann und Janina nickte und kam sich ziemlich albern vor, dass sie nur Gestotter und wirres Zeug von sich gab. „Ich geb´ dir gerne einen neuen aus.“, lächelte er sie an und wandte sich schon an die Verkäuferin. Kathi wollte noch protestieren, doch erhielt sie von Janina einen tadelnden Blick und ein Kopfschütteln. „Einmal den Winterpunsch mit viel Orange.“ Die Verkäuferin nickte und bereitete den Becher mit dem Punsch vor. „Das macht dann zusammen sieben Euro vierzig!“ Der junge Mann kramte kurz in seinem Geldbeutel herum, ehe er der Verkäuferin einen zehn Euro Schein in die Hand drückte. „Stimmt so!“ Mit dem neuen Becher in der Hand wandte er sich an Kathi, die peinlich berührt lächelte. „Hier, ich hoffe, er wird dir schmecken.“ Damit reichte er der Brünetten lächelnd den dampfenden Becher. Kathie nahm ihn entgegen und hauchte ein „Danke!“ 

„Ich bin übrings Timo. Und ihr seid?“ „Kathi und Janina.“, stellte Kathie ihre beste Freundin und sich vor. „Freut mich sehr. Habt ihr noch etwas vor heute? Mein Kumpel und ich wollten noch ein wenig hier auf dem Markt herumgehen, bevor wir nachher noch in eine Cocktail-Bar gehen. Habt ihr Lust mitzukommen?“ 

Kathie warf Janina eine bittenden und zugleich lächelnden Blick zu, den sie unmöglich abschlagen konnte. „Na klar. Wir sind dabei.“ „Super, dann kommt doch einfach mit. Mein Kumpel steht da vorne.“ Timo deutete mit der Hand in eine Richtung und die jungen Frauen nickten. Gemeinsam gingen die drei los und während dieser Zeit bekam Kathie ihr Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht. Es war, als wenn sich endlich etwas Positives in ihrem Leben tat. Etwas, das schon jetzt kleine, aber feine Schmetterlinge in ihr hervorrief. Und das lag ganz bestimmt nicht nur an dem versüßten Winterpunsch, den ihr Timo eben spendiert hatte.




-Ende-





„Versüßter Winterpunsch“ – eine weihnachtliche Kurzgeschichte, written by Nathalie Lina Winter.

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Nathalie hat mich vor einiger Zeit kontaktiert und mit mir über ihr Buch gesprochen, das übrigens nächstes Jahr erscheint! 
Als ich auf der Suche nach geschichtenschreibenden Leuten war und ich ihr eine E-mail schrieb, hat sie sich kurzerhand bereit erklärt mir und natürlich euch eine kleine Weihnachtsgeschichte zu schreiben:) Und ich finde sie unglaublich herzerwärmend ;) VIELEN VIELEN VIELEN DANK NATHALIE!!!

Wenn ihr noch mehr über Nathalie erfahren wollt, besucht doch mal ihre facebook-Seite! Ich habe sie euch hier verlinkt: (♥)


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